Die Geschichte des Löschzuges

Die Gründung - am 15. Juni 1879 - wurde auf der Generalversammlung des Turnvereins Hilchenbach mit folgendem Beschluss gefasst:

"Die Geräte des Vereins werden dem Kuratorium der Rektoratschule in Hilchenbach zugewiesen, während der Kassenbestand nebst den angelaufenen Zinsen der zu bildenden städtischen Feuerwehr zugesprochen wird, falls sich eine solche in den nächsten 10 Jahren bilden sollte. Falls dieses nicht geschieht, soll auch dieser Betrag der oben genannten Schule zufließen."

Dieser Beschluss am 31. August 1879 führte zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Hilchenbach. Die Wehr wurde von 11 Hilchenbacher Bürgern vertreten, welche dem Bürgermeister Julius Kocher am 7. September 1879 folgenden Bericht übersandten:

"Der selbst gebildeten freiwilligen Feuerwehr sind vorläufig 52 Mitglieder beigetreten, und wir bitten nun darum, der Feuerwehr die städtischen Feuerlöschgerätschaften zu überlassen. Allerdings entstehen noch einige Kosten für Ausbildung der Führer, Äquirierung und Ausrüstung der Mannschaft und Vervollständigung der Gerätschaften etc. Diese Kosten möchte bitte die Stadtkasse übernehmen. Die veranschlagten Kosten betragen ca. 1.447,- Mark."

1880 - die Wehr zählt 70 Mitglieder.

               Der Kassenbestand beträgt 11,11 Mark.

1882 - 3. Feuerwehrtag des Verbandes für die Wehren des Kreises und der angrenzenden Kreise in Hilchenbach

1888 - Brand in der Giersbachschen Gerberei

1893 - Anschaffung eines Schlauchwagens

1895 - Dachstuhlbrand im westl. Flügel des Seminargebäudes (heute: Carl-Krämer-Realschule)

1904 - 25-jähriges Bestehen der Hilchenbacher Feuerwehr in Verbindung mit dem Verbandsfest der Wehren des Kreises Siegen

• Auszeichnung von 16 Feuerwehrleuten für 25-jährige Dienstzeit - 1 Jahr später wurden dafür weitere 16 Feuerwehrleute ausgezeichnet.

1911 - Brand in der Leimfabrik von Weiß

1915 - die Wehr zählt 105 Mitglieder, von denen 73 zum Militär eingezogen sind.

1924 - Brand in der Nagelfabrik Weiß & Münker in Vormwald

1926 - Erlass einer Ortssatzung für das Feuerlöschwesen der Stadt Hilchenbach

1929 - 50-jähriges Bestehen der Hilchenbacher Feuerwehr

 

Einsätze der Feuerwehr während und am Ende des Zweiten Weltkrieges:

• 4-mal nach Luftangriffen in Siegen und Erndtebrück

• 3-mal zu Aufräumungsarbeiten in Neunkirchen

• 4-mal zu Bränden in Hilchenbach nach Bordwaffen- bzw. Artilleriebeschuss

Jahr 1929 - Jubiläum 50 Jahre Feuerwehr Hilchenbach
Jahr 1929 - Gruppenfoto zum Jubiläum
Jahr 1929 - Original Hilchenbacher Zeitung
Jahr 1929 - Festprogramm aus der Zeitung
Jahr 1936 - Feuerwehrturm in der Schützenstraße
Jahr 1936 - Spritzenhaus Marktplatz

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Das Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 23. November 1938 forderte eine von geschulten Kräften geführte Polizeitruppe (Hilfspolizeitruppe). Die von den freiwilligen Feuerwehren gegründeten Vereine bzw. Verbände wollten zur Auflösung kommen. An dessen Stelle tritt eine nach Löscheinheiten gegliederte Hilfspolizei, welche dem Reichsminister des Inneren untersteht.

In den 3 westlichen Besatzungszonen entwickelten sich die Feuerwehren zunächst unterschiedlich. Die Aufsicht hierüber war nun im kommunalen Feuerwehrwesen geregelt.

Auch in Hilchenbach gab es bald wieder eine Feuerwehr unter der Leitung von Oberbrandmeister Emil Born, welche im Geiste der Nächstenliebe ihren Dienst versah. Auch der Krankentransport wurde erst einmal von der Feuerwehr übernommen.

In den ersten Nachkriegsjahren waren einige größere Brände zu bekämpfen, wobei die Feuerwehrleute aber vor allem mit der unzureichenden Ausrüstung zu kämpfen hatten.

Im Jahre 1954 schied der Oberbrandmeister Emil Born aus der Aktiven Wehr aus (Erreichen der Altersgrenze). Zu dessen Nachfolgern wurden Stadtbrandmeister Erich Schneider und sein Stellvertreter Friedhelm Schweitzer bestellt.

1957 kaufte die Stadt Hilchenbach ein Tanklöschfahrzeug TLF 16. Die häufig von Dampfloks verursachten Wald- und Flächenbrände konnten mit diesem Fahrzeug effektiver bekämpft werden.

Der erste Einsatz für das neue TLF war am 27. Mai 1957 im Stadtteil Lützel bei einem Brand der Aschaffenburger Zellstoffwerke. Aus dem damaligen Protokollbuch des Schriftführers Gerhard Kunze war zu entnehmen, dass dieses Fahrzeug keine 4 Minuten nach der Alarmierung mit Besatzung bereits unterwegs zur Einsatzstelle war.

Am 15. Oktober des darauffolgenden Jahres hatte die Feuerwehr Hilchenbach einen erwähnenswerten Einsatz, der im Protokollbuch wie folgt dokumentiert wurde: Am 15. Oktober 1958 drehen 2 Düsenflugzeuge in sehr niedriger Höhe ihre Kurven über dem nördlichen Siegerland. Plötzlich dreht ein Flugzeug ab. Man beobachtet eine Stichflamme und kurz darauf steigt ein gewaltiger Rauchpilz aus dem Waldgebiet der Buchhelle zwischen Vormwald und Helberhausen auf. Zeit: 10.10 Uhr. Den eintreffenden Feuerwehrleuten bot sich kein schöner Anblick. Die brennenden Trümmerteile eines holländischen Militärjets lagen weit verstreut in dem Waldgebiet. An der Absturzstelle gab es eine ca. 300 m lange Schneise in einem Buchenwald. Den Piloten fand man tot in einem Hohlweg.

Am 18. April 1959 übernahm der damalige Stadtbrandmeister Erich Schneider den Schlüssel des neuen Gerätehauses in der Hilchenbacher Straße aus den Händen von Stadtdirektor Walter Groos. Nach 15-jährigem Ringen war es endlich so weit, die Hilchenbacher Wehr hatte ein Gerätehaus. Die ehemalige alte Schule war, für damalige Verhältnisse, zu einem zeitgemäßen Gerätehaus umgebaut worden.

"Möge dieses Gerätehaus ein Sammelpunkt von Menschen werden, deren Leben dadurch einen Sinn erhält, dass sie anderen helfen. " Mit diesen begleitenden Worten wurde die Übergabe des Gerätehauses vollzogen. Nun war auch das Unterbringungsproblem des TLF gelöst.

Nach der kommunalen Neugliederung der Stadt Hilchenbach im Jahre 1969 wurde auch die Feuerwehr der Stadt Hilchenbach umstrukturiert.

Die Freiwillige Feuerwehr des Amtes Keppel und die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Hilchenbach wurden zusammengelegt und in 10 Löschgruppen bzw. Löschzüge aufgeteilt. Somit wurde aus der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Hilchenbach der Löschzug Hilchenbach der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Hilchenbach. In dieser Zeit wurde die neu formierte Feuerwehr zu zwei Großschadensfällen alarmiert und zwar: Großbrand der Fa. Sieper in Hilchenbach- Müsen und Großbrand des Bauernhauses Winke in Hilchenbach- Helberhausen.

Im Jahre 1972 übernahm Oberbrandmeister Friedhelm Schweitzer den Löschzug Hilchenbach, da der bisherige Löschzugführer Erich Schneider nach 44-jährigem Feuerwehrdienst mit Erreichen der Altersgrenze aus der aktiven Feuerwehr ausschied.

Die Zeit machte es erforderlich, dass man wegen der zunehmenden Zahl von Einsätzen im Rahmen der technischen Hilfeleistungen (Verkehrsunfälle usw.), den Löschzug Hilchenbach mit den modernsten Rettungsgeräten auszurüsten. Die Feuerwehr wurde neben den eigentlichen Brandeinsätzen auch immer mehr zu technischen Hilfeleistungen wie etwa zum Auspumpen von Kellern, Beseitigen von umgestürzten Bäumen, Verkehrsunfällen usw. gerufen.

Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, mussten die ehrenamtlichen Feuerwehrleute sehr viel geschult werden (praktisch und auch theoretisch).

Aber trotz des oftmals sehr mühevollen Jobs bei der freiwilligen Feuerwehr kam auch die  Kameradschaftspflege, wie z.B. Sommerfeste, Kameradschaftsfeiern und Familienausflüge nicht zu kurz. Auch die Ehefrauen und Lebenspartnerinnen der Kameraden trafen sich des Öfteren im Gerätehaus, um sich in gemütlicher Runde besser kennen zu lernen.

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Bis zu unserem 100-jährigen Jubiläum 1979 bestand die Hauptaufgabe unseres Löschzuges in der Brandbekämpfung.

Für damalige Verhältnisse galten die Ausrüstung und der Fahrzeugpark, der aus einem 11 Jahre alten Löschgruppenfahrzeug, einem 1 Jahr alten Tanklöschfahrzeug und einem Mannschaftswagen bestand, als gut, modern und ausreichend für die Aufgaben, die der Löschzug zu bewältigen hatte. Doch die technische Weiterentwicklung ging auch nicht spurlos an den Feuerwehren vorbei. Mehr Autos auf den Straßen, erhöhtes Verkehrsaufkommen, höhere Geschwindigkeiten und daraus resultierend schwerere Unfälle stellten die Rettungsdienste vor neue Probleme. Unfallopfer waren oft so in ihren deformierten Fahrzeugen eingeklemmt, dass sie ohne Werkzeuge und technisches Gerät nicht mehr aus ihren misslichen Lagen befreit werden konnten.

So erhielt der Löschzug Hilchenbach ein knappes Jahr nach dem Jubiläum den ersten hydraulischen Rettungssatz, bestehend aus einem Hydraulikaggregat, einem Spreizer und einer Rettungsschere. Dieser Rettungssatz wurde auf dem Löschgruppenfahrzeug mitgeführt und zum Einsatz gebracht. Im darauf folgenden Jahr kam als Ersatz für den Mannschaftswagen ein kleines Löschfahrzeug, das mit dem Rettungssatz ausgestattet wurde und nun als Vorausrüstwagen bei Verkehrsunfällen eingesetzt wurde. Dieses kleine, schnelle und wendige Fahrzeug konnte innerhalb kürzester Zeit auch in engen Straßen, zum Einsatz gebracht werden.

Doch auch die Weiterentwicklungen in der Industrie sorgten für neue Einsatzaufgaben bei den Feuerwehren. Chemikalien, giftige und radioaktive Substanzen machten neue Einsatztaktiken und Geräte notwendig. Wie andere Feuerwehren auch, bekam der Löschzug Hilchenbach nach und nach immer mehr Geräte und Ausrüstungen für die technische Hilfeleistung, Strahlenschutz und den Umgang mit gefährlichen Stoffen und Gütern. So besteht unser Fahrzeugpark heute neben einem Einsatzleitwagen, einem Tanklöschfahrzeug und einem Löschgruppenfahrzeug auch aus einem Rüstwagen für die technische Hilfeleistung und einem Gerätewagen-Gefahrgut, der bei Unfällen mit gefährlichen Stoffen zum Einsatz kommt. Diese beiden Fahrzeuge haben eine umfangreiche Ausstattung, um bei Unfällen und Schadenslagen Hilfe leisten zu können. Um diese umfangreiche Ausrüstung im Ernstfall erfolgreich und effektiv einsetzen zu können, war es notwendig, die Ausbildung unserer Feuerwehrleute um ein Vielfaches zu erweitern.

Vor 25 bis 30 Jahren machten die Feuerwehrkameraden lediglich eine Ausbildung in der Brandbekämpfung und im Umgang mit Atemschutzgeräten. Diese Ausbildung wurde durch regelmäßige Übungen aufgefrischt und vertieft. Die Kameraden, die als Fahrer für die Einsatzfahrzeuge vorgesehen waren, wurden zu Maschinisten ausgebildet, um die Pumpen und Geräte richtig bedienen zu können. Doch in den letzten Jahren sind die Anforderungen an den Wissensstand unserer Feuerwehrleute immer mehr gewachsen. Der Umgang mit unseren verschiedenen Gerätschaften setzt eine spezielle theoretische und praktische Ausbildung voraus.

Heutzutage ist z. B. die Tauglichkeit für den Einsatz unter Atemschutzgeräten eine Grundvoraussetzung für die Aufnahme in einer Feuerwehr. Jeder, Feuerwehrfrau und Feuerwehrmann, muss eine feuerwehrtechnische Grundausbildung mitmachen, die danach durch die weitere Ausbildung im Löschzug vertieft wird. Darauf aufbauend kommen dann Lehrgänge für Atemschutzgeräteträger, Truppführer und Sprechfunker. Außerdem machen viele Kameraden noch die Ausbildungen zu Maschinisten, in technischer Hilfeleistung und für den Umgang mit gefährlichen Stoffen und Gütern (GSG) mit. Diese Lehrgänge finden meist auf Stadt oder Kreisebene statt. Kameraden, die eine Führungsposition (also Gruppen- und Zugführer) haben, mussten dafür spezielle Führungslehrgänge am Institut der Feuerwehr in Münster besuchen. Außerdem haben ein paar Kameraden Lehrgänge besucht, damit sie unsere verschiedenen Einsatzgeräte warten und pflegen können.

Auch bei der Erstversorgung von verletzten Personen können wir Hilfe leisten. Jeder Feuerwehrmann macht in seiner Grundausbildung auch einen Erste-Hilfe-Kurs mit. Außerdem haben wir einen ausgebildeten Rettungsassistenten, einen Rettungssanitäter und vier weitere Kameraden mit einer Sanitätsausbildung in unserem Löschzug.

Man kann also sehen, der Dienst in einer Feuerwehr besteht nicht nur aus Einsatzfahrten, sondern auch aus einer Menge Aus-und Weiterbildung, die durch sich weiter entwickelnde Techniken immer wieder aufgefrischt und verbessert werden muss! Auch die Wartung und Pflege der uns zur Verfügung gestellten Fahrzeuge und Geräte gehört zu unseren Pflichten. Das Reinigen von Fahrzeugen und Einsatzgeräten wird ebenso von uns durchgeführt wie auch kleinere Reparaturen. Auch am jährlich stattfindenden Leistungsnachweis des Kreisfeuerwehrverbandes nimmt der Löschzug Hilchenbach seit 25 Jahren teil. Dabei müssen verschiedene Aufgaben der Bereiche feuerwehrtechnische Ausbildung (theoretisch und praktisch), Erste Hilfe und Sport erfüllt werden.

Irrtümlicherweise könnte jetzt der Eindruck aufkommen, der Dienst bei der Feuerwehr sei eintönig, ohne Spaß und Abwechslung. Das stimmt aber nicht. Auch bei uns wird Kameradschaft GROSS geschrieben.

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